Die Kraftfeldanalyse ist eine strategische Methode, um die Dynamik, die durch organisatorische Veränderungen ausgelöst wird, besser zu verstehen. Sie wurde um 1940 vom Psychologen Kurt Lewin entwickelt. Der Ansatz basiert auf dem Gleichgewicht zwischen treibenden Kräften, die eine Veränderungen unterstützen, und bremsenden Kräften, die sich ihr entgegenstellen. Die Analyse hat eine wichtige Funktion im Rahmen von Veränderungsmanagement, denn Führungskräfte können mit ihrer Hilfe bessere Entscheidungen treffen und Strategien entwickeln, die die Akzeptanz des geplanten Wandels unterstützen. Durch das Antizipieren von Widerständen und die Verstärkung positiver Faktoren hilft die Kraftfeldanalyse dabei, organisatorische Veränderungen effizienter vorzubereiten und umzusetzen. Ein Überblick über die Kraftfeldanalyse, ihre Vorteile und ihre Grenzen.
Was ist die Kraftfeldanalyse?
Die Kraftfeldanalyse wurde vom Psychologen und Pionier der Sozialpsychologie Kurt Lewin in den 1940er-Jahren entwickelt. Auf ihn gehen zahlreiche Theorien über das menschliche Verhalten zurück, die ein Verständnis für die Triebkräfte vermitteln, die durch Veränderungen in Unternehmen ausgelöst werden. Die Kraftfeldanalyse identifiziert die Kräfte, die eine Situation beeinflussen können, und erleichtert damit Verbesserungs- und Change-Prozesse.
Die zwei verschiedenen Kräfte nach Lewin
Die von Kurt Lewin entwickelte Kraftfeldanalyse geht von der Annahme aus, dass jeder Veränderungsprozess von zwei verschiedenen Faktoren beeinflusst wird: treibende bzw. fördernde Kräfte sowie hemmende bzw. blockierende Kräfte. Treibende Kräfte unterstützen eine Veränderung, während hemmende Kräfte diese bremsen oder ganz blockieren.
Lewin veranschaulicht diese Dynamik durch einen dreistufigen Prozess:
- die Phase des Auftauens (Unfreeze),
- die Transition oder Veränderung (Change),
- die Phase der Stabilisierung (Refreeze).
Die genormten Zusammenhänge dieses Modells machen es möglich, das Scheitern eines Veränderungsprozesses durch Fehler bei der Durchführung zu erklären. Und gerade solche Fehler können den sogenannten „Widerstand gegen Veränderungen“ auslösen.

Ziele der Kraftfeldanalyse
Das oberste Ziel des Ansatzes liegt darin, die beiden Kräfte zu erkennen, sie zu analysieren, ihre Intensität einzuschätzen und daraus ihre Auswirkungen auf die Veränderung abzuleiten. Führungskräfte können dadurch Hindernisse antizipieren sowie Hebel erkennen und einsetzen, um Change-Prozesse methodisch anzugehen und so effizienter zu machen.
Welches sind die wichtigsten Schritte einer Kraftfeldanalyse?
Wenn ein Unternehmen sich dazu entscheidet, eine neue PLM-Software (Product-Lifecycle-Management-Lösung) einzuführen, kann die Kraftfeldanalyse wertvolle Einblicke in die Faktoren liefern, die die Adoption beeinflussen. Damit eine Kraftfeldanalyse überzeugende Ergebnisse liefert, sollte sie nach einem genau definierten Prozess ablaufen, der aus mehreren Schritten besteht.
1. Schritt: treibende und hemmende Kräfte erkennen
Der erste Schritt besteht darin, eine Liste mit den treibenden Kräften zu erstellen, also der Faktoren, die die geplante Veränderung fördern. Ihr gegenüber stellt man eine Auflistung der hemmenden Kräfte, also der Faktoren, die sich der Veränderung widersetzen. Dafür ist es notwendig, mit allen Beteiligten zusammenzuarbeiten. Alle betroffenen Gruppen legen ihre Sichtweise anhand geeigneter Daten über die derzeitige Situation des Unternehmens dar, untermauern dies gegebenenfalls mit Statistiken und zeigen Engpässe auf, mit denen sie konfrontiert sind.
Durch eine offene Diskussion wird klar, welche internen oder externen Faktoren die gewünschte Veränderung in der derzeitigen Situation unterstützen oder bremsen. Hilfreich sind in dieser Phase Tools wie die SWOT-Analyse, um die Einflussfaktoren besser zu untersuchen.
2. Schritt: die Kräfte gewichten
Es ist wichtig, alle Kräfte zu gewichten, um zu erkennen, welche davon am schwersten wiegen. Die Gewichtung verdeutlicht den Einfluss jeder einzelnen Kraft auf den Veränderungsprozess. Eine treibende Kraft kann zum Beispiel mit 5 gewichtet werden, wenn sie sehr stark ist, oder mit 2, wenn sie nur geringe Auswirkungen hat. Auf diese Weise soll veranschaulicht werden, ob zwischen den treibenden und hemmenden Kräften ein Gleichgewicht oder ein Ungleichgewicht herrscht. Das ist die Basis, um in der Folge fundierte Entscheidungen treffen zu können.
3. Schritt: treibende Kräfte verstärken und Widerstände abbauen
Ist die Gewichtung erfolgt, bestimmt man Aktivitäten, um die treibenden Kräfte zu verstärken und Widerstände zu reduzieren. Dafür bieten sich verschiedene Möglichkeiten an: Kommunikationskampagnen, Schulungen, Unterstützung durch die Führungsebene … Wenn der Widerstand zum Beispiel auf der Angst vor dem Unbekannten beruht, dann kann es sinnvoll sein, die Mitarbeiter zu schulen, um diese Angst abzubauen.
Konkrete Anwendungsbeispiele für dieses Konzept
Die Kraftfeldanalyse ist nicht nur eine Theorie, sondern ein konkreter Ansatz, der sich gut auf verschiedene Situationen übertragen lässt.
Digitale Transformation: Akzeptanz einer neuen Software
Wenn ein Unternehmen beschließt, eine neue Software einzuführen, um bestimmte Prozesse zu verbessern, kann man mithilfe der Kraftfeldanalyse aufzeigen, welche Faktoren diese Veränderung beeinflussen. Im Diagramm der Kraftfeldanalyse sind dann unter Umständen folgende treibenden Kräfte aufgeführt:
- Kostenreduzierung,
- Onlinezugriff möglich,
- effizientere Prozesse,
- Kompatibilität mit anderer Software,
- Vereinfachung der internen Kommunikation und des Teilens von Informationen …
Hemmende Kräfte können dagegen mangelnde Qualifikation des Personals, Widerstand gegen Veränderungen, hohe Schulungskosten u. v. m. sein. Jedes dieser Elemente wird gewichtet.
Organisatorische Veränderung: Umstellung auf Homeoffice
Im Zuge veränderter Arbeitsmethoden denken viele Unternehmen über Homeoffice nach. Eine Kraftfeldanalyse zeigt die Vorzüge dieser Strategie auf: bequemer für die Mitarbeiter, geringere Kosten in Bezug auf die Räumlichkeiten, höhere Flexibilität.
Auf der anderen Seite stehen potenzielle Hindernisse wie Befürchtungen hinsichtlich der Produktivität, schlechtere Kommunikation innerhalb des Teams, technische Probleme u. v. m. Auf der Basis dieser Analyse können Lösungsansätze entwickelt werden, um die Arbeit im Homeoffice so gut wie möglich umzusetzen.
Wo liegen die Vorteile und Grenzen der Kraftfeldanalyse?
Die Kraftfeldanalyse von Kurt Lewin ist ein hilfreiches Tool für Unternehmen, die organisatorische Veränderungen umsetzen möchten. Doch wie alle Analysemodelle hat sie nicht nur Vorzüge, sondern auch Grenzen.
Positiv ist, dass die Kraftfeldanalyse eine gewisse Klarheit verschafft. Mit ihr können die Kräfte, die eine Veränderung beeinflussen strukturiert erfasst, die Bedeutung jedes dieser Faktoren erkannt und die Entscheidungsfindung erleichtert werden. Anschließend haben Führungskräfte die Möglichkeit, Blockaden zu antizipieren und Strategien für ihren Abbau zu entwickeln.
Die Grenzen der Methode liegen im Wesentlichen darin, dass sie in gewisser Weise subjektiv ist und von der Qualität der gesammelten Informationen abhängt. Unvollständige oder nicht korrekte Informationen können die Analyse verfälschen und demzufolge die Entscheidungen, die auf ihr basieren.
Dennoch ist festzuhalten, dass die von Kurt Lewin entwickelte Kraftfeldanalyse ein wertvolles Hilfsmittel ist, um organisatorische Veränderungen zu begleiten. Sie ist einfach anzuwenden, erleichtert das Treffen von Entscheidungen und ist damit ein strategisches Tool, mit dem man Transformationsprojekte zum Erfolg führt. Trotzdem sollte man sich der Grenzen dieser Methode bewusst sein.



