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So nutzen führend Unternehmen Product Management Frameworks

Produktmanagement ist ein strategischer Prozess, bei dem aus einer Produktidee ein Produkt entsteht, das während des gesamten Lebenszyklus optimiert wird, damit es immer die Erwartungen von Unternehmen und Kunden erfüllt. Der Prozess umfasst Marktuntersuchungen, die Erstellung einer Produkt-Roadmap, die Priorisierung der Merkmale und die Koordination der funktionsübergreifenden Teams. Product Management Frameworks sind dabei gute Hilfsmittel für Entscheidungsfindung, Umsetzung und effiziente Abläufe.

In diesem Artikel erfahren Sie mehr über Produktmanagement-Frameworks, die von Unternehmen wie Spotify, Amazon, Google, Facebook und Netflix entwickelt wurden. Mit solchen Product Management Frameworks werden Workflows optimiert, Prioritäten gesetzt und das Wachstum angekurbelt.

Product Management Frameworks

Produktmanagement-Teams stützen für ihre Arbeit auf strukturierte Ansätze, die Produktmanagement-Frameworks genannt werden. Nachfolgend eine Übersicht über bekannte Methoden. Vor allem Großunternehmen unterscheiden dabei zwischen Priorisierungsmodellen (um die zu entwickelnden Features zu gewichten) und strategischen Ansätzen.

  1. Spotify Squads: agile und autonome Teams für eine schnelle Iteration
  2. Working Backwards von Amazon: kundenorientierter Ansatz, um die Produktstrategie festzulegen
  3. HEART von Google: Framework, das die User Experience durch die Kriterien Happiness, Engagement, Adoption, Retention und Task Success misst
  4. North Star Metric (NSM) von Facebook: datenbasiertes und wachstumsorientiertes Modell
  5. A/B-Testing von Netflix: testbasierte Methode für Produktentscheidungen
  6. Shape Up von Basecamp: strukturierter Rahmen für das Management der Produktlebenszyklen
  7. RICE Scoring: datenbasierte Priorisierung (Reichweite, Auswirkungen, Zuversicht und Aufwand)
  8. Kano-Modell: Priorisierung mit Fokus auf die Kundenzufriedenheit
  9. MoSCoW-Methode: Einteilung der Features in Must have, Should have, Could have und Won’t have

Was ist ein Product Management Framework?

6 Product Management Frameworks, die von führenden Unternehmen verwendet werden

1. Spotify Squads: autonome, agile Produktmanagement-Teams

So ist das Spotify-Squad-Modell entstanden

Spotify entwickelte sein Squad-Modell in den frühen 2010er-Jahren, um Agilität und Autonomie zu verbinden und ein starkes Wachstum zu unterstützen. Ziel war es, eigenständige und funktionsübergreifende Teams zu bilden.

Wie funktioniert das Spotify-Squad-Modell?

Die grundlegenden Elemente dieses Frameworks sind:

  • Squads: autonome und multidisziplinäre Teams, die für ein Produktsegment verantwortlich sind.
  • Tribes: Squad-Gruppen, die Produktbereiche ganzheitlicher betrachten.
  • Chapters: Kompetenzbereiche (UX, Engineering …).
  • Guilds: informelle Gruppierungen zu bestimmten Themen (DevOps, KI …).
✅ Pro❌ Contra
Ermutigt zu unabhängigen Entscheidungen.Schwierig, die Teams aufeinander abzustimmen.
Unterstützt die funktionsübergreifende Zusammenarbeit.Kann zu Doppelarbeit führen.
Agiles Wachstum kann effizient durchgeführt werden.

2. Working-Backwards-Methode von Amazon: Prioritäten an Kundenbedürfnissen ausrichten

So ist die Working-Backwards-Methode entstanden

Die Working-Backwards-Methode von Amazon basiert auf dem „Was-wäre-wenn-Prinzip“ basiert. Sie hat das Ziel, Kundenbedürfnisse über intern entwickelte Ideen zu stellen.

Wie funktioniert das Framework Working Backwards?

  • Zunächst wird das Kundenbedürfnis identifiziert und eine Produktidee entwickelt, die es erfüllt.
  • Dann wird eine Pressemitteilung verfasst, in der die Features und Produktvorteile beschrieben werden. In diesem Stadium hat die eigentliche Produktentwicklung noch nicht begonnen.
  • Nun wird ein FAQ-Dokument erstellt, das Fragen zur Umsetzung, den Auswirkungen und möglichen Hindernissen beantwortet.
  • Die Produktidee wird aufgrund interner Rückmeldungen verfeinert.
✅ Pro❌ Contra
Die Kundenbedürfnisse stehen im Zentrum aller produktbezogenen Entscheidungen.Zeitintensiver Dokumentationsprozess.
Vermeidet die Verschwendung von Ressourcen für Merkmale mit geringer Auswirkung.Setzt ein umfassendes Marktverständnis voraus.

3. HEART-Framework von Google: die User Experience messen

So ist das HEART-Framework entstanden

Google hat das HEART-Framework eingeführt, damit die Produktmanagement-Teams die User Experience (UX) anhand effizienter Indikatoren besser messen können.

Wie funktioniert das HEART-Framework?

HEART ist auf fünf zentrale UX-Indikatoren ausgerichtet.

·         Happiness (Zufriedenheit): Kundenzufriedenheit (z. B. Net Promoter Score)

  • Engagement: aktive Nutzung, Interaktionen mit dem Produkt (z. B. Seitenaufrufe, Verweildauer)
  • Adoption (Akzeptanz): Anzahl neuer Nutzer
  • Retention (Bindung): Kundenbindungsrate
  • Task Success (Erfolg der Aufgaben): Erfolgsrate bei der Umsetzung zentraler Aufgaben
✅ Pro❌ Contra
Bietet quantifizierbare Daten über die User-Experience.Indikatoren können subjektiv und schwer messbar sein.
Hilft bei der Optimierung der Benutzerfreundlichkeit.

4. North Star Metric (NSM) von Facebook: datengestütztes Wachstum

So ist North Star Metric entstanden

Facebook stützt sich als wachstumsorientiertes Unternehmen auf North Star Metric (NSM), damit sich die Produktmanagement-Teams an einem Indikator orientieren, der einen langfristigen Erfolg verspricht.

Wie funktioniert das Framework North Star Metric?

  • Basis ist die Identifizierung einer zentralen Kennzahl, die den langfristigen Erfolg abbildet (z. B. die Anzahl der täglich auf Facebook aktiven Nutzer).
  • Alle Anstrengungen der Produktentwicklung sind darauf ausgerichtet, diesen Indikator zu verbessern.
✅ Pro❌ Contra
Die Teams konzentrieren sich auf Aktivitäten, die Wachstum generieren.Kann zu einer Zahlenbesessenheit führen.
Erleichtert die Abstimmung zwischen funktionsübergreifenden Teams.Für Produkte im Anfangsstadium nicht immer geeignet.

5. A/B-Testing von Netflix: Tests als Grundlage für Entscheidungen

So ist das A/B-Testing von Netflix entstanden

Bevor Netflix ein neues Feature global einführt, wird dieses A/B-Tests unterzogen.

Wie funktioniert das A/B-Testing von Netflix?

  • Es werden Test- und Kontrollgruppen mit Usern gebildet.
  • Diese kleinen Gruppen testen ein neues Feature, bevor es in großem Maßstab umgesetzt wird.
  • Die Entscheidung, ob das getestete Feature eingeführt wird oder nicht, wird auf der Basis konkreter Daten getroffen.
✅ Pro❌ Contra
Reduziert das Risiko für einen Misserfolg bei der Einführung neuer Produkte.Kann Innovationszyklen verlangsamen.
Fördert datenbasierte Entscheidungen.Erfordert eine große Anzahl an Usern, damit es verlässlich ist.

6. Shape Up von Basecamp: ein einzigartiges Konzept für die Umsetzung von Projekten

So ist Shape Up entstanden

Die Methode Shape Up von Basecamp ist eine Alternative zu Vorgehensweisen wie Scrum und Kanban. Ihr Ziel ist es, Projekten einen klaren Rahmen zu geben.

Wie funktioniert das Framework Shape Up?

  • Shaping (Strukturierung): Bevor ein Projekt einem Team zugeteilt wird, wird es klar umrissen und detailliert ausgearbeitet.
  • Betting (Wetten): Die Leader bestimmen, welche Projekte im nächsten Zyklus prioritär bearbeitet werden.
  • Building (Konstruktion): Projekte werden in feststehenden Zyklen (normalerweise sechs Wochen) definiert.
✅ Pro❌ Contra
Vermeidet das Hinzufügen neuer Funktionalitäten ohne Deadlines oder die verfügbaren Ressourcen zu berücksichtigen (Scope Creep).Setzt eine peinlich genaue Planung im Vorfeld voraus.
Fördert eine konzentrierte und gezielte Umsetzung.Für Start-ups im Wachstumsprozess weniger geeignet.

Priorisierungsmodelle für das Produktmanagement

Damit Produktmanagement-Teams ihre Ressourcen sinnvoll einsetzen und sich auf rentable Projekte konzentrieren können, ist es wichtig, klare Prioritäten zu setzen. Lesen Sie mehr über drei gängige Modelle: RICE Scoring, das Kano-Modell und die MoSCoW-Methode.

7. RICE Scoring Model: datenbasierte Priorisierung

So ist das RICE-Scoring-Modell entstanden

Entwickelt wurde das RICE Scoring Model vom Messaging-Softwarehersteller Intercom. Dieser wollte seine Produktmanagement-Teams dabei unterstützen, Projekte und Features anhand von vier Schlüsselkriterien möglichst objektiv zu gewichten: Reach (Reichweite), Impact (Auswirkungen), Confidence (Zuversicht), Effort (Aufwand).

Wie funktioniert das RICE Scoring Model?

Beim RICE-Scoring wird jedes der Kriterien mit einem quantitativen Wert gewichtet:

  • Reach (Reichweite): Wie viele Nutzer sind innerhalb eines bestimmten Zeitraums davon betroffen?
  • Impact (Auswirkungen): Welche Auswirkungen hat das Feature auf die Nutzer? (Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 0,25 bis 5.)
  • Confidence (Zuversicht): Wie sicher ist sich das Team in der Bewertung? (Der Wert wird in einem Prozentsatz ausgedrückt.)
  • Effort (Aufwand): Wie viele Personen sind notwendig, um die Aufgabe zu erledigen?

Der RICE-Score wird mit folgender Formel berechnet:

✅ Pro❌ Contra
Objektive Entscheidungen, da die Priorisierung auf der Basis realer Daten getroffen wird.Setzt präzise Einschätzungen voraus, da eine falsche Bewertung die Prioritäten verschieben kann.
Vermeidet voreingenommene Entscheidungen, da diese auf einer rationalen Grundlage getroffen werden und nicht auf Annahmen basieren.Kann die Wahrnehmung des Kunden vernachlässigen, da sich die Gewichtung auf Indikatoren und weniger auf die Wahrnehmung der Nutzer stützt.
Gleichgewicht zwischen Aufwand und Auswirkungen, da Aktivitäten mit starken Auswirkungen und wenig Aufwand bevorzugt werden.

8. Das Kano-Modell: Priorisierung von Features auf Basis der Kundenzufriedenheit

So ist das Kano-Modell entstanden

Das Kano-Modell wurde in den 1980er-Jahren von Noriaki Kano (Professor an der Universität Tokio) entwickelt. Es will Produktmanagement-Teams dabei unterstützen, Features nach ihrer Auswirkung auf die Kundenzufriedenheit zu gewichten.

Wie funktioniert das Kano-Modell?

Das Kano-Modell teilt Features in drei Hauptkategorien ein:

  • Basismerkmale: Sie sind für die Nutzer eine Grundvoraussetzung; fehlen sie, entsteht Unzufriedenheit.
  • Leistungsmerkmale: Sie haben einen direkten Einfluss auf die Kundenzufriedenheit; je mehr vorhanden sind, desto besser ist es.
  • Begeisterungsmerkmale: Sie werden vom Nutzer nicht unbedingt erwartet und können die User Experience erheblich steigern.

Die Stärke des Kano-Modells liegt darin, dass es ein Gleichgewicht zwischen den Erwartungen der Kunden und dem Entwicklungsaufwand herstellt.

✅ Pro❌ Contra
Auf den Kunden ausgerichtet, da es dem Produktmanagement hilft, die Prioritäten aufgrund echter Kundenbedürfnisse festzulegen.Schwer zu quantifizieren, da es Kundenumfragen und qualifizierte Rückmeldungen erfordert.
Schafft ein Gleichgewicht zwischen Aufwand und Zufriedenheit und stellt dadurch eine optimale Nutzung der Ressourcen sicher.Die Erwartungen können sich im Laufe der Zeit verändern; was heute „Begeisterung“ auslöst, kann morgen als Grundvoraussetzung betrachtet werden.
Unterstützt die Einführung unerwarteter Features und fördert dadurch Innovationen.

9. MoSCoW-Priorisierung: Unterscheidung der Features in Must have und Nice to have

So ist die MoSCoW-Priorisierung entstanden

Die MoSCoW-Priorisierung wurde von Dai Clegg entwickelt, als dieser in den 1990er-Jahren bei Oracle arbeitete. Sie stellt einen einfachen Rahmen dar, um Produktanforderungen in Abhängigkeit von den Businessanforderungen zu gewichten.

Wie funktioniert die MoSCoW-Priorisierung?

Die Features werden hier in vier Kategorien eingeteilt:

  • Must Have (Muss): Anforderungen, die für das Produkt unverzichtbar sind.
  • Should Have (Soll): Wichtige Produktfeatures, die trotz ihrer hohen Priorität zurückgestellt werden können.
  • Could Have (Kann): Wünschenswerte Features, die einen Mehrwert darstellen würden, aber keine hohe Priorität haben.
  • Won’t Have (Nicht notwendig): Anforderungen, die im derzeitigen Stadium bewusst nicht berücksichtig werden.
✅ Pro❌ Contra
Einfach und intuitiv, für die Produktmanagement-Teams leicht verständlich.Keine quantitative Bewertung, Entscheidungen sind möglicherweise subjektiv.
Unterstützt das Scope Management und verhindert das Hinzufügen unnötiger Features.Kann die Kundenbedürfnisse vernachlässigen, da es sich mehr auf Businessanforderungen anstatt auf die Erwartungen der User stützt.
Stimmt die verschiedenen Akteure aufeinander ab und fördert die Einigung auf Prioritäten.

Das richtige Framework für Ihr Produktmanagement-Team

Je nach den individuellen Produktanforderungen eignet sich ein anderes Modell:

  • Für schnelle Produktentwicklungen → Spotify Squads
  • Für kundenorientierte Priorisierung → Working-Backwards-Methode von Amazon
  • Für das Messen der User Experience → HEART von Google
  • Für datenbasiertes Wachstum → North Star Metric (NSM) von Facebook
  • Für Tests → A/B-Testing von Netflix
  • Für strukturiertes Projektmanagement → Shape Up von Basecamp

Manche Produktmanagement-Teams kombinieren mehrere Ansätze, um eine maximale Effizienz zu erzielen. Es gibt zum Beispiel Unternehmen, die mit Spotify Squads auf einen teamorientierten Ansatz setzen und gleichzeitig das A/B-Testing für die Entscheidungsfindung nutzen.

So unterstützen Digital Adoption Platforms (DAP) das Produktmanagement

Die aufgeführten Frameworks helfen zwar bei Produktentscheidungen, geht es jedoch um die User des Unternehmens, dann liefern Plattformen für digitale Akzeptanz (DAP) wertvolle Daten und Informationen für fundierte Entscheidungen. Eine DAP wie Goldfuchs Software kann:

✅ Analysen bereitstellen, wie die User mit neuen Features umgehen.
✅ Produktschulungen anbieten, um die Akzeptanz der Features zu verbessern.
✅ Reibungspunkte aufzeigen, um Produktentscheidungen zu verfeinern.

Mit einer digitalen Adoptionsplattform können Sie:

  • Den Usern eine individuelle Onboarding-Erfahrung bieten, um sie im Umgang mit der Software anzuleiten und ihnen deren Nutzen aufzuzeigen.
  • Ihre Wissensdatenbank mit einem interaktiven Selbsthilfesystem immer auf dem neuesten Stand halten, sodass die User Informationen suchen (und finden) können, sobald sich das Produkt weiterentwickelt.
  • Tooltipps mit Hinweisen sowie interaktive Leitfäden bereitstellen, sodass die User zum richtigen Zeitpunkt unterstützt werden, ohne dass sie ihren Arbeitsablauf unterbrechen müssen.
  • Updates für Features, Änderungen und andere Informationen gezielt mit Pop-ups ankündigen, damit die User informiert sind und motiviert bleiben.
  • Rückmeldungen in Echtzeit durch Umfragen anfordern, die in die Anwendung integriert sind. Auf diese Weise können Sie die Nutzerzufriedenheit bewerten, Produktfeatures optimieren und die Customer Experience kontinuierlich verbessern.

Durch die Integration von Informationen mithilfe von Frameworks in die DAP treffen Produktentwicklungsteams fundierte und nutzerorientierte Entscheidungen.

Fazit

Es gibt nicht DEN ultimativen Ansatz für Produktmanagement. Gute Produktmanagement-Teams stützen sich nicht nur auf ein einziges Framework, sondern passen dieses an oder kombinieren verschiedene Ansätze, um spezifischen Anforderungen gerecht zu werden.

Ob Sie Ihre Teams mit Spotify Squads autonomer machen, die Kundenorientierung mit Working Backwards von Amazon verbessern oder Prioritäten auf der Basis konkreter Daten mit dem RICE-Scoring-Modell setzen: Es ist wichtig, flexibel zu sein. Gutes Produktmanagement besteht nicht darin, eine bestimmte Vorgehensweise blindlings umzusetzen, sondern zu wissen, wann man Regeln übertreten muss, um etwas wirklich Einzigartiges zu schaffen.

Welches Framework ist das Beste für Ihr Produktmanagement-Team?

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Marielle Gantenberg

Marielle ist als Country Managerin verantwortlich für unsere DACH-Kunden. Sie unterstützt CIOs und HR-Leiter bei der Optimierung der Technologieakzeptanz und der Verbesserung von Geschäftsprozessen. Mit einer Leidenschaft für Innovation schreibt sie regelmäßig über Themen wie die Digitalisierung von HR-Prozessen und die Optimierung von ERP/CRM-Systemen. Entdecken Sie ihre Artikel im Blog von Goldfuchs Software für praktische Einblicke und maßgeschneiderte Lösungen für Ihre technologischen Herausforderungen.

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