Mit mehr als 2 Millionen zertifizierten Unternehmen im Jahr 2022 ist ITIL die beliebteste Methodik für die Verwaltung von IT-Diensten. Es handelt sich dabei um ein Bündel an bewährten Verfahren für IT-Service-Management (ITSM), die Unternehmen als roter Faden bei der digitalen Transformation dienen. In diesem Zusammenhang hilft ITIL dabei, die IT-Leistungen effizient zu managen, sodass diese die Bedürfnisse der Geschäftsstruktur erfüllen und zur Zielerreichung beitragen.
In diesem Artikel erfahren Sie, was ITIL genau ist, welchen Stellenwert das Regelwerk für das Management der IT-Services hat und welches die verschiedenen Stufen der ITIL-Zertifizierung sind. Darüber hinaus erhalten Sie einige Tipps, wie Sie sich am besten auf die Zertifizierungsprüfung vorbereiten und diese erfolgreich absolvieren.
Welche Bedeutung hat ITIL?
Um genau zu verstehen, welchen Stellenwert ITIL hat, sollte man wissen, wie dieses Framework entwickelt wurde und wie es sich im Laufe der Zeit verändert hat.
Geschichte und Entwicklung von ITIL
ITIL wurde in den 1980er-Jahren durch die CCTA (Central Computer and Telecommunications Agency) entwickelt. Diese Behörde erhielt von der britischen Regierung den Auftrag, die Qualität der staatlichen IT-Dienste zu verbessern, da sich die Nutzer enorm beklagten.
Die CCTA erstellte daraufhin ein Bündel an Empfehlungen, um das Problem zu lösen. Dabei entstand eine Sammlung von 30 Dokumenten, die schnell als ausgesprochen relevant angesehen wurden, sodass IT-Fachleute daraus Best Practices für das Management der IT-Services ableiteten. Im Laufe der Jahre wurde ITIL weiterentwickelt, und es entstanden die Versionen V2 (1999-2004), V3 (2007) und schließlich V4 (2019).

Die wesentlichen Grundprinzipien von ITIL
Kern der ITIL V4 Zertifizierung ist ein „Service Value System“, das 5 wesentliche Elemente umfasst:
- die Service-Wertschöpfungskette (Service Value Chain),
- 34 ITIL-Praktiken, die in der Version V3 definiert wurden,
- 7 ITIL-Grundprinzipien,
- ITIL-Governance,
- ständige Verbesserung (Continual Improvement).
Die Service-Wertschöpfungskette basiert auf 6 Schlüsselaktivitäten, die unterschiedlich kombiniert werden können, um verschiedene Prozesse zu erhalten. Dabei handelt es sich um: Planung, Engagement, Design & Transition, Erhalten/Erstellen, Bereitstellung & Support, Verbesserung.
Was die 7 Grundprinzipien von ITIL V4 angeht, so dreht sich zunächst alles um die Wertorientierung. Zudem sollte man dort beginnen, wo das Unternehmen aktuell steht, sich iterativ und auf der Basis von Feedbacks weiterentwickeln sowie Zusammenarbeit und Transparenz fördern. Die 3 letzten Prinzipien geben vor, ganzheitlich zu denken und zu arbeiten, den Schwerpunkt auf Einfachheit und Praktikabilität zu legen sowie zu optimieren und zu automatisieren.
Gemäß ITIL V4 beinhaltet IT-Servicemanagement 4 Dimensionen: Organisation und Menschen, Information und Technologie, Partner und Lieferanten, Wertströme und Prozesse.
Die Vorteile der ITIL-Zertifizierung für IT-Fachleute und Unternehmen
Die ITIL-Zertifizierung hilft IT-Experten dabei, sich Qualifikationen anzueignen, die für das IT-Service-Management heute unerlässlich sind. Auf diese Weise steigern sie ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt, denn sie sind dann in der Lage, verantwortungsvollere Aufgaben zu erfüllen, was gleichzeitig mit einem besseren Einkommen verbunden ist.
Unternehmen hilft die ITIL-Zertifizierung bei der Verbesserung der internen Prozesse für die Bereitstellung der IT-Dienstleistungen, wobei gleichzeitig Flexibilität gewährleistet ist. Am Ende des Prozesses können sie Kundenbedürfnisse auf weltweiter Ebene erfüllen und stärken so ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Die verschiedenen Stufen der ITIL-Zertifizierung
Es gibt 5 Levels für die ITIL-Zertifizierung: Foundation, Practitioner, Intermediate, Expert, Master.
Die Zertifizierungsstufen im Detail
Die ITIL-Zertifizierung beginnt mit dem Level „Foundation“. Die Ausbildung auf dieser Stufe ist ideal für IT-Fachleute, die sich mit den Grundlagen von ITIL vertraut machen wollen. Dabei lernen sie, wie man das ITIL-Rahmenwerk nutzt, damit es zur Verbesserung des IT-Service-Managements beiträgt.
Die zweite Stufe der ITIL-Zertifizierung ist das „Practitioner-Level“. Hauptziel dieser Stufe ist es, den Absolventen des ersten Levels zu vermitteln, wie sie das Framework an ihrem Arbeitsplatz im Tagesgeschäft anwenden. Im Rahmen der Ausbildung für das „Practitioner-Level“ werden Kenntnisse über verschiedene Elemente vermittelt, mit denen man die Leistungsfähigkeit des Unternehmens kontinuierlich verbessert. Dabei kommen Methoden wie DevOps, agiles Vorgehen oder Lean zum Einsatz.
„Intermediate“ ist die dritte Stufe der ITIL-Zertifizierung und umfasst zwei Kategorien: Service-Lebenszyklus (Lifecycle) und Service-Fähigkeit (Capability). In der ersten Kategorie geht es um den Lebenszyklus der IT-Services, während die zweite Kategorie die operativen Abläufe des Managements sowie die Reaktivität bei Vorfällen betrifft. Die Kategorien umfassen 5 beziehungsweise 4 Ausbildungsmodule. Man kann sich entweder für eine der Kategorien – Lifecycle oder Capability – entscheiden oder beide Ausbildungen absolvieren.
Das Level „Expert“ ist für Spezialisten gedacht, die bereits ein umfassendes Verständnis für das ITIL-Rahmenwerk und die damit verbundenen Best Practices besitzen. Mit der Zertifizierung weisen sie nach, dass sie das ITIL-Framework als Ganzes innerhalb des Unternehmens anwenden können.
Das „Master-Level“ ist Fachleuten vorbehalten, die die ITIL-Zertifizierung auf „Expert-Level“ besitzen und mindestens eine 5-jährige Berufserfahrung an einem Arbeitsplatz nachweisen können, an dem das Framework eingesetzt wird.
Tipps für die Wahl des richtigen Levels
Um sich für die passende Zertifizierungsstufe zu entscheiden, sollten Sie zunächst einschätzen, wie viel Sie über das ITIL-Framework bereits wissen. Berücksichtigen Sie dann die ITIL-Zertifizierungen, die Sie bereits besitzen, sowie die Voraussetzungen, die Sie für die gewünschte Zertifizierung erfüllen müssen. Überlegen Sie auch, ob die angestrebte Zertifizierungsstufe sowohl mit Ihren beruflichen Zielen als auch mit den Bedürfnissen des Unternehmens, in dem Sie arbeiten, korrespondiert.
Vorbereitung für ITIL-Zertifizierung und Prüfung
Für jede Stufe der ITIL-Zertifizierung ist eine umfassende Vorbereitung die Voraussetzung. Dazu sollte man zunächst das notwendige Studienmaterial besitzen. Die offizielle ITIL-V4-Dokumentation ist dabei unerlässlich. Der Inhalt hilft Ihnen, die Informationen, die in den Kursen zum Thema vermittelt werden, besser einzuordnen.
Schulungsunternehmen, die ITIL-Zertifikatskurse anbieten, müssen von AXELOS zertifiziert sein. Die Prüfungen für die Zertifizierung werden ebenfalls nur von Organisationen abgenommen, die die Akkreditierung von AXELOS besitzen. So ist sichergestellt, dass Sie eine ausgezeichnete Ausbildung von Experten dieses Bereichs erhalten, die Ihnen die gewünschte Qualifikation für das IT-Service-Management vermitteln. Die Kosten für die Schulungen belaufen sich im Durchschnitt auf 500 bis 1000 €. Bei manchen Kursanbietern sind die Gebühren für die Zertifizierungsprüfung bereits im Kurspreis enthalten.
Sie können die Vorbereitung für die ITIL-Zertifizierung mit ergänzenden Workshops abrunden. Darüber hinaus wird wärmstens empfohlen, die erworbenen Kenntnisse in Bezug auf die ITIL-Vorgehensweisen im Rahmen Ihrer Tätigkeit konkret anzuwenden. Prüfungssimulationen sind ein weiteres Mittel, um das Training abzurunden. Goldfuchs Software bietet sogar eine Lösung an, die Ihnen dabei hilft, sich die theoretischen Grundlagen von ITIL besser einzuprägen und so ein besseres Verständnis für das Konzept zu erhalten.
Wenn Sie bereit sind, melden Sie sich bei einem zugelassenen Prüfungszentrum für die Zertifizierungsprüfung an. Dafür fallen Kosten zwischen 130 und 450 € an. Wiederholen Sie das Gelernte immer wieder bis zum Tag X, und stellen Sie dann Ihre Kenntnisse unter Beweis. Gehen Sie ruhig und entspannt in die Prüfung. Das ist die beste Voraussetzung, um die Fragen bestmöglich beantworten zu können.
Nach der Zertifizierung – Chancen und Aufstieg
Mit der ITIL-Zertifizierung bieten sich Ihnen neue Möglichkeiten für Ihr berufliches Weiterkommen. Damit stehen Ihnen Funktionen wie die eines CIO (Chief Information Officer), eines Projektleiters oder eines Leiters des technischen Supports offen. Sogar eine selbstständige Tätigkeit als Berater für das ITIL-Framework kommt in Betracht.
Die ITIL-Zertifizierung ist international anerkannt und eröffnet Ihnen daher Perspektiven auf ausländischen Arbeitsmärkten. Wenn Sie die Prüfung absolviert haben, sollten Sie jedoch kontinuierlich weitermachen und die nächsten Stufen der Zertifizierung absolvieren. Auf diese Weise halten Sie sich gleichzeitig über neue Trends im Bereich des IT-Service-Managements auf dem Laufenden. Zertifizierungen wie ISO 20000 oder Lean IT ergänzen ITIL und verbessern Ihre Qualifikation noch mehr.
Zusammenfassung
ITIL ist ein sehr nützliches Hilfsmittel, um die IT-Leistungen einer Organisation effizient zu managen. Mit der ITIL-Zertifizierung verbessert man seine Kenntnisse im Management von IT-Systemen und gleichzeitig seine Karrierechancen. Unternehmen ziehen aus der ITIL-Zertifizierung ebenfalls vielfältigen Nutzen: Sie verbessern die Qualität ihrer Dienstleistung, die Kundenzufriedenheit und nicht zuletzt ihre Konkurrenzfähigkeit. Die ITIL-Zertifizierung besteht aus verschiedenen Stufen, die man je nach den Anforderungen und Kenntnissen auswählen sollte, um die besten Erfolgschancen bei der Prüfung zu haben.


