Um den Erfolg einer beruflichen Fortbildung einschätzen zu können, müssen Sie diese bewerten. Im Rahmen des Veränderungsmanagements gibt es verschiedene Methoden und Techniken, die für die Bewertung des Lernerfolgs von Schulungen eingesetzt werden. Eine der bekanntesten ist das Kirkpatrick Modell. Lesen Sie den umfassenden Überblick von Goldfuchs Software über diese Art der Erfolgskontrolle und ihren Stellenwert.
Worauf beruht das Modell von Kirkpatrick?
Donald Kirkpatrick war ein bedeutender Professor an der University of Wisconsin. 1959 entwickelte er eine nach ihm benannte Vorgehensweise, um den Lernerfolg von Fortbildungen zu bewerten: das Kirkpatrick Model. Seit der Einführung wurde dieses Modell durch seinen Erfinder und andere Fachleute weiterentwickelt und aktualisiert. Das Kirkpatrick Modell, wie wir es heute kennen, wurde 2016 publiziert.
Überblick über das Modell
Es handelt sich dabei um ein hierarchisches Modell, das Aufschluss darüber gibt, wie sich das Lernen auf die Teilnehmer einer Schulung und das Unternehmen, in dem sie arbeiten, auswirkt. Der Ansatz ist gut nachvollziehbar und lässt sich einfach in die Praxis umsetzen.
Die Evaluationsebenen im Kirkpatrick Modell
Donald Kirkpatrick hat in seinem Modell vier Ebenen für die Messung des Weiterbildungserfolges definiert.
1. Ebene: Reaktion
Auf der ersten Ebene (Reaktion) untersucht man, wie die Teilnehmer eine Fortbildung am Ende einschätzen. Dazu machen die Ausbilder in der Regel eine Zufriedenheitsumfrage. Mithilfe dieser Umfrage können sie einschätzen, wie relevant das Training für die Teilnehmer war. Zudem lassen sich aus dem Feedback gegebenenfalls Verbesserungsmöglichkeiten für zukünftige Schulungen ableiten.

2. Ebene: Lernen
Auf der zweiten Evaluationsebene einer Schulung wird überprüft, welches Wissen beziehungsweise welche Fähigkeiten die Lernenden erworben haben und ob sich ihre Einstellung verändert hat. Dazu testen die Ausbilder die Teilnehmer im Rahmen einer kleinen Prüfung oder eines Quiz.
3. Ebene: Verhalten
In den ersten beiden Phasen (Reaktion und Lernen) kann man nicht ermitteln, inwieweit sich die Fortbildung tatsächlich positiv auf die praktische Arbeit des Teilnehmers auswirkt. Dies soll auf der dritten Ebene des Kirkpatrick Modells herausgefunden werden, wenn der Mitarbeiter wieder seiner gewohnten Tätigkeit nachgeht, also wenn er das im Training Gelernte im Rahmen seiner Arbeit in die Praxis umsetzt.
Möglicherweise tritt jedoch nicht sofort eine konkrete Situation ein, in der das Gelernte angewandt werden kann, sondern erst Wochen oder gar Monate später. Wenn die Teilnehmer beispielsweise in der Bedienung einer speziellen Maschine für ihre Arbeit ausgebildet wurden, kann das erworbene Know-how schnell in die Praxis umgesetzt werden. Ging es in der Schulung dagegen um den Umgang mit Kunden in schwierigen Situationen, kann der Teilnehmer das angeeignete Wissen erst dann anwenden, wenn ein solcher Fall tatsächlich eintritt.
4. Ebene: Erfolg
Um den Erfolg einer Schulung zu beurteilen, schaut man sich an, welche konkreten Auswirkungen die Weiterbildung auf die Abläufe im Unternehmen und den Unternehmenserfolg hat und vergleicht dies mit den ursprünglich gesteckten Zielen.
Warum ist es notwendig, Schulungen zu bewerten?
Die berufliche Weiterbildung stellt in Unternehmen einen nicht unerheblichen Zeit- und Kostenfaktor dar. Die Notwendigkeit von Schulungsmaßnahmen für die Mitarbeiter steht zwar außer Frage, dennoch ist es wichtig, den Erfolg und die Auswirkungen der getätigten Investitionen zu beurteilen.
Der Stellenwert einer Schulungsbewertung
Bei der Evaluation einer Fortbildungsmaßnahme beurteilt man die Auswirkungen auf die geschulte Person und deren praktische Arbeit. Positive und negative Punkte einer Schulung, die bei der Evaluation identifiziert werden, sind eine Grundlage, um die Lerninhalte für zukünftige Weiterbildungsmaßnahmen weiterzuentwickeln.

Die Folgen einer nicht bewerteten oder erfolglosen Fortbildung
Wird eine Fortbildung nicht bewertet, so weiß man nicht, ob die mit ihr verfolgten Ziele erreicht wurden. Unter Umständen wurde das angestrebte Wissen oder Know-how bei der Schulung gar nicht an die Lernenden weitergegeben, sodass die Maßnahme ein Misserfolg war. Das kann nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Teilnehmer negative Konsequenzen haben.
Unproduktive Ausbildungen sind eine erhebliche Verschwendung an Ressourcen, nämlich an Zeit und Geld. Die Investition des Unternehmens in eine Schulung führt also weder zur Erreichung der gesteckten Ziele noch zum gewünschten Return on Investment.
Den Lernenden fehlt ihrerseits schnell der Anreiz, wenn sie feststellen, dass ihnen die Fortbildungsmaßnahme nichts bringt. Dies kann dazu führen, dass die Motivation innerhalb der Belegschaft bei zukünftigen Ausbildungsmaßnahmen deutlich gesunken ist.
Der Stellenwert des Modells von Kirkpatrick für IT-Schulungen
Der Bereich IT befindet sich in einem ständigen Umbruch. Weiterbildungsmaßnahmen sind daher sehr wichtig und sollten mit dem Kirkpatrick Model evaluiert werden, um den Erfolg sicherzustellen. Dieses Evaluationsmodell eignet sich für alle Ausbildungsbereiche, also auch für den Bereich der Informationstechnologien. Egal, ob Sie eine Onlineschulung oder eine Präsenzveranstaltung durchführen, ob es sich um eine langfristig angelegte oder eine kurze Trainingsmaßnahme handelt, das Kirkpatrick-Modell ist immer eine gute Möglichkeit, um den Lernerfolg zu bestimmen.
Um das Kirkpatrick Model sinnvoll in Ihre Bildungsstrategie einzubinden, definieren Sie zunächst klare Ziele, die Sie mit den Weiterbildungsmaßnahmen erreichen möchten, und richten Sie das Schulungskonzept dann an den erwarteten Ergebnissen aus. Evaluieren Sie anschließend auf jeder Ebene den Lernerfolg, indem Sie die Teilnehmer befragen und gegebenenfalls Tests durchführen.
Mit dem Kirkpatrick Model die Bildungsstrategie verbessern
Damit Fortbildungsangebote den Mitarbeitern Ihres Unternehmens einen Nutzen bieten, sollten Sie sie immer wieder kritisch hinterfragen. Heutzutage gibt es fast täglich neue Tools und Methoden, die Sie im Rahmen von Trainings einsetzen können. Überlegen Sie beispielsweise, ob der Einsatz neuer Technologien wie Virtual Reality Trainings (VR-Trainings) oder künstliche Intelligenz (KI) sinnvoll sein kann.
Stellen Sie auch sicher, dass die Ausbilder auf dem aktuellen Stand ihres Fachgebiets sind. Denn auch diejenigen, die Know-how und Wissen vermitteln, müssen sich stets verbessern.
Grenzen des Kirkpatrick Modells
So gut die von Donald Kirkpatrick ausgearbeitete Erfolgskontrolle von Fortbildungen auch ist, sie hat dennoch ihre Grenzen. Zunächst muss man festhalten, dass dieses Modell nicht alle Facetten einer Schulung bewertet. Es konzentriert sich ausschließlich auf die Durchführung des Trainings und auf die teilnehmenden Personen. Allerdings sollte das Kirkpatrick Model auch die Art der Ausbildung und die Kosten, die durch fehlende Ausbildung entstehen, berücksichtigen.
Zudem fokussiert sich das Modell im Wesentlichen auf eine Bewertung im Nachhinein. Die Phase vor der Schulung und die eigentliche Durchführung werden nicht berücksichtigt. Beziehen Sie daher auch die Vorbereitungen sowie den Beginn der Fortbildung mit ein, um bereits in diesem Stadium Fehler auszumerzen. Prüfen Sie darüber hinaus, ob die Teilnehmer die notwendigen Voraussetzungen besitzen, um das Training zu absolvieren. Ist das nicht der Fall, bieten Sie ihnen andere Schulungen an.
Eine Fortbildung sollte während der Durchführung kontinuierlich bewertet werden, um sicherzustellen, dass die Lernenden Fortschritte machen. Auf diese Weise kann der Ausbilder gegebenenfalls seine Lerninhalte an das Niveau der Teilnehmer anpassen, damit die Maßnahme zum gewünschten Erfolg führt. Dessen ungeachtet können Sie mithilfe des Kirkpatrick-Modells und der verschiedenen Indikatoren eine Ausbildungsmaßnahme bewerten.



