Eine Legacy-Anwendung (auch Altanwendung genannt) ist ein veraltetes oder überholtes Softwareprogramm, das nach wie vor in Betrieb ist. Die Tatsache, dass das System veraltet ist, heißt zwar nicht, dass es nicht mehr funktioniert, allerdings kann es aufgrund von Kompatibilitätsproblemen mit anderen Anwendungen instabil sein. Die Legacy-Anwendung ist meist deshalb weiterhin im Einsatz, weil sie immer noch wichtige Geschäftsanforderungen erfüllt.
Eine Altanwendung zu ersetzen, ist häufig komplex, kostspielig und mit bestimmten Risiken verbunden. Das kann an der nicht mehr aktuellen Version der Programmiersprache oder des Betriebssystems liegen. So kann das ERP-System eines Unternehmens zwar überholt sein, wird jedoch weiterhin genutzt, da es mit zentralen Prozessen wie Rechnungswesen, Warenbeschaffung, Lagermanagement usw. verknüpft ist, die für das Tagesgeschäft von großer Bedeutung sind. Die Herausforderung besteht also darin, die Legacy-Anwendung zu verbessern, indem man die zugrunde liegende Technologie auf einen aktuellen Stand bringt. Man spricht in diesem Fall von einer Modernisierung der Legacy-Application. Lesen Sie bei Goldfuchs Software mehr über die Problematik von Legacy-Anwendungen und darüber, wie Sie diese beispielsweise durch eine Migration in die Cloud modernisieren.
Herausforderungen von Legacy-Anwendungen
Die wichtigsten Probleme, die sich aus der Beibehaltung einer Legacy-Anwendung, also einer Altanwendung, ergeben, sind:
- der umfassende Zugriff auf grundlegende Daten und Features,
- die Starrheit des Systems, das sich nur schwer an technologische Weiterentwicklungen und neue Businessanforderungen anpassen lässt,
- eine aufwendige Integration in moderne Systeme,
- hohe Kosten für Instandhaltung und Anpassungen,
- die Risiken von Non-Compliance und Sicherheit.
Ein Unternehmen, das eine Legacy-Anwendung weiterhin nutzt, ist aufgrund von Kompatibilitätsproblemen möglicherweise in der Anwendung neuer Technologien eingeschränkt. Unter Umständen können die in Altsystemen gespeicherten Daten von Abteilungen, die mit neueren Systemen arbeiten, nicht verwendet werden. Es liegt auf der Hand, dass sich dies negativ auf die Performance auswirkt, sodass Konkurrenzunternehmen, die sich auf modernere Informationstechnologie stützen, möglicherweise Wettbewerbsvorteile besitzen.
Oftmals sind Legacy-Anwendungen weiterhin in Betrieb, weil ihr Ersatz mit hohen Kosten verbunden ist. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass sich Instandhaltung und Reparatur einer Altanwendung langfristig ebenfalls als kostspielig erweisen können. Bei einer Legacy-Anwendung kommt es häufiger zu Pannen, und sie benötigen höhere Ressourcen. Wird eine verwaltete Anwendung vom Softwareentwickler nicht mehr aktualisiert, dann muss das IT-Team vor Ort diese Aufgabe übernehmen. Abgesehen von den Kosten für Wartung und Anpassungen verlangsamen Funktionsstörungen von Legacy-Anwendungen die Geschäftstätigkeit und wirken sich damit negativ auf die Performance aus.
Unter Umständen entspricht eine solche Legacy-Application gar nicht mehr den branchenüblichen Normen hinsichtlich Compliance und Datensicherheit. Solche Regelungen können beispielsweise die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) oder auch besondere Vorschriften für den Datenschutz im Gesundheitswesen (DIGAV, HDS oder HIPAA) sein. Legacy-Anwendungen können für Unternehmen Sicherheitslücken darstellen, die der Cyberkriminalität Tür und Tor öffnen. Solche Angriffe können nicht nur den Verlust wichtiger Daten nach sich ziehen, sondern darüber hinaus auch das Vertrauen von Kunden und Partnern stark beeinträchtigen.
Modernisierung einer Legacy-Anwendung
Eine Legacy-Anwendung zu modernisieren bedeutet, eine veraltete und weniger leistungsfähige Software in ein modernes System zu verwandeln, das leistungsstärker und anpassungsfähiger ist. Eine solche Modernisierung ist Teil einer digitalen Transformation, deren Ziel es ist, das IT-System eines Unternehmens an die aktuellen Anforderungen und Normen anzupassen. Damit dieser Prozess gelingt, muss zunächst eine fundierte Strategie entwickelt werden, die der Situation des Unternehmens gerecht wird.
Lösungsansätze für die Softwaremodernisierung
Für die Modernisierung einer Legacy-Anwendung gibt es verschiedene Lösungsansätze. Geeignet ist eine Vorgehensweise, welche die Anforderungen, die erwarteten Ergebnisse und bestehende Budgeteinschränkungen berücksichtigt.
Rehosting
Unter Rehosting (auch Lift-and-Shift-Verfahren genannt) versteht man die Migration einer Legacy-Anwendung in eine neue Umgebung. Bei diesem Prozedere wird die Anwendung ohne Änderungen verschoben, es werden also weder Quellcode noch die Funktionalitäten verändert. Dies vor allem dann empfehlenswert, wenn ein Unternehmen eine schnelle Transition vornehmen muss, allerdings kann ein Rehosting nicht das gesamte Modernisierungspotenzial ausschöpfen.
Refactoring
In diesem Fall wird ein veralteter Programmcode optimiert, um die Performance und die Wartungsmöglichkeiten zu verbessern, ohne jedoch grundlegende Features zu verändern. Refactoring ist eine Möglichkeit, um die Leistungsfähigkeit einer Legacy-Anwendung zu steigern.
Reengineering
Beim Reengineering wird die gesamte Softwarearchitektur der betreffenden Anwendung neu konzipiert und an aktuelle Standards angepasst. Es handelt sich dabei um einen komplexen Prozess, bei dem man schrittweise vorgehen sollte.
Der Ansatz kann mit Replatforming verbunden sein, was bedeutet, dass die Anwendung in eine neue Umgebung verlagert wird, um an Performance und Entwicklungsfähigkeit zu gewinnen. Diese Vorgehensweise setzt umfangreichere Modifikationen des Programmcodes voraus.
Ein neues System
Ist ein System vollkommen veraltet, ist oftmals die Implementierung eines neuen Systems die einzige Lösung. Das bedeutet für jedes Unternehmen einen Neuanfang, der mit besonderen Herausforderungen verbunden ist. Während der Transition kann es zu Störungen kommen.
Vorteile der Softwaremodernisierung
Die Modernisierung einer Legacy-Anwendung steigert ihre Performance und die operative Effizienz des Unternehmens. Die Reaktionszeit verbessert sich und die Anwender profitieren von einer positiveren User Experience. Neue Benutzeroberflächen und Schnittstellen erhöhen die Zufriedenheit von Personal und Kunden.
Der Prozess beinhaltet zudem die Aktualisierung der Sicherheitssysteme und die Anpassung an die geltenden Industrienormen. Auf diese Weise werden Schwachstellen eliminiert und kostenträchtige Probleme aufgrund mangelnder Compliance vermieden.
Durch die Modernisierung ergeben sich Möglichkeiten, um die Wartungs- und Instandhaltungskosten zu senken. Auf diese Weise optimiert man das Hosting der Legacy-Application und gestaltet die Arbeitskosten rentabler.
Nutzt ein Unternehmen beispielsweise ein Lagermanagementsystem über einen zu langen Zeitraum, dann sinkt dessen Rentabilität nach und nach. Veraltete Anwendungen werden immer langsamer und erfordern immer mehr Wartungsaufwand, um ihre Funktionsfähigkeit zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang trägt die Softwaremodernisierung dazu bei, Unterhaltskosten zu senken und die Produktivität der Mitarbeiter zu steigern.
Migration in die Cloud
Unter einer Migration in die Cloud versteht man die Verlagerung von Anwendungen, Daten, Infrastrukturen, Sicherheitssystemen und anderen Informatikbestandteilen in eine Cloud-Computing-Umgebung. In diesem Fall müssen Sie nicht mehr in teure Hardware für ein Rechenzentrum vor Ort investieren, dieses betreiben und warten, sondern Sie bezahlen stattdessen laufende Betriebskosten. Manchmal wird ein System im bestehenden Zustand migriert, in anderen Fällen wird es gleichzeitig optimiert und in der Folge kontinuierlich modernisiert.
Vorteile der Migration einer Legacy-Anwendung in die Cloud
Eine Legacy-Anwendung in die Cloud zu verlagern, das bedeutet:
- eine bessere Entwicklungsfähigkeit,
- einfachere Zugriffsmöglichkeiten,
- mehr Flexibilität,
- geringere Kosten.
Cloud-Lösungen entsprechen den modernen Anforderungen und können bei Veränderungen schnell angepasst werden. Das Unternehmen muss in diesem Fall keine zusätzliche Hardware oder Infrastruktur beschaffen.
Eine Cloud-Anwendung ist rund um die Uhr und von jedem Ort aus zugänglich. Sie steht daher allen Mitarbeitern zur Verfügung, Voraussetzung ist lediglich ein Internetanschluss. Diese Flexibilität verbessert die Zusammenarbeit im Unternehmen und gestaltet die Arbeitsabläufe rationeller.
Cloud-Anbieter stützen sich auf fortschrittliche Sicherheitsvorkehrungen wie Datenverschlüsselung, Multi-Faktor-Authentifizierung, Überwachung von Bedrohungen usw. und bieten auch Disaster-Recovery-Optionen (Notfallwiederherstellung) mit mehrfachen Back-ups und verlässlichen Wiederherstellungsmöglichkeiten.
Eine Cloud-Umgebung besitzt Netzwerkverbindungen, die dazu beitragen, die Latenz von Legacy-Anwendungen zu verringern. Gleichzeitig bietet die Migration in die Cloud die Möglichkeit, neue Features zu ergänzen. Technologien wie Automatisierung, künstliche Intelligenz (KI) und vernetzte Objekte können Businessprozessen echten Mehrwert bieten.
Bei Cloud-Anwendungen bezahlt das Unternehmen lediglich für die tatsächlich genutzte Speicherkapazität der Anwendungen. Das ist ein gravierender Unterschied zu veralteter Software, die oftmals auf überholter und kostspieliger Hardware betrieben wird. Während eines Migrationsprozesses müssen die IT-Techniker jedoch darauf achten, dass die verfügbaren Ressourcen richtig dimensioniert sind und nicht übermäßig oder unzureichend ausgelastet werden.
Herausforderungen einer Migration in die Cloud
Bei der Migration einer Legacy-Application in die Cloud gilt es, mehrere Herausforderungen zu bewältigen:
- hohe Anfangskosten für Migration und Schulung der Mitarbeiter,
- Akzeptanzprobleme und Widerstand gegen Veränderungen,
- Sicherheit und Compliance.
Die Verlagerung eines überholten Systems in die Cloud kann zunächst nicht unerhebliche Migrationskosten verursachen. Zudem müssen die Mitarbeiter im Umgang mit den neuen Features der Applikation geschult werden. Das kann sich zu hohen Initialkosten summieren, eine Investition, die sich langfristig jedoch auszahlt, da die Migration zahlreiche Vorteile bietet.
Einer der Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Transition ist und bleibt das Personalmanagement. Erstellen Sie eine Strategie, die den Beschäftigten die Umstellung auf veränderte oder neue Arbeitsabläufe erleichtert. Was Datensicherheit angeht, sind Datenschutz und die Einhaltung geltender Regelungen unverzichtbare Punkte. Je nachdem, welche Informationen verarbeitet oder verlagert werden, sind bestimmte Modelle für die Cloud-Implementierung besser oder weniger gut geeignet.
Die Modernisierung von Legacy-Anwendungen ist wesentlich für Unternehmen, die ihre Konkurrenzfähigkeit erhalten möchten. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen veraltete IT-Systeme einsetzen, werden Sie Konkurrenten, die auf neue Technologien setzen, nur schwer die Stirn bieten können. Die Migration in die Cloud kann einen ersten, aber wichtigen Schritt für die digitale Transformation Ihres Business darstellen. Für eine erfolgreiche Transition sind allerdings eine strategische Planung und die funktionsübergreifende Zusammenarbeit essenziell.



