Jedes Unternehmen ist regelmäßig mit großen Veränderungen konfrontiert. Diese können gewollt sein oder nicht, intern oder extern bedingt sein. Change-Management kann die Organisation als solche, das Personal, das Arbeitsumfeld und viele andere Aspekte betreffen. Manchmal rufen Veränderungen Widerstände hervor. Mithilfe der Veränderungskurve nach Kübler-Ross kann ein Manager solche Veränderungen in seinem Team besser umsetzen.
Ursprung der Veränderungskurve nach Kübler-Ross
Die Einteilung des Trauerprozesses in 5 Phasen beruht im Wesentlichen auf Gesprächen mit mehr als 500 Patienten im Endstadium ihres Lebens. Ziel dieser Gespräche war es herauszufinden, wie diese Menschen den Tod wahrnehmen. Das Modell stützt sich also hauptsächlich auf Aussagen von Patienten, die mit der Ankündigung ihres bevorstehenden Todes konfrontiert waren.
Es handelt sich dabei um eine andere Form der Trauer, nämlich die Trauer um sich selbst. Im Gegensatz zu einer Person, die einen Nahestehenden verliert, basiert dieses Modell auf den Eindrücken eines Menschen, der sich darauf vorbereitet, alle seine Nahestehenden zu verlieren.
Die Psychiaterin und Psychologin Elisabeth Kübler-Ross stellte fest, dass es bei diesen Patienten bestimmte Verhaltensweisen im Umgang mit dem Tod gibt, die sich ähneln (Leugnen, Schock, Wut …). 1975 wurde sie durch ihr Buch „On Death and Dying“ berühmt, in dem sie die 5 Phasen des Trauerprozesses beschreibt.
Heute werden die Ergebnisse dieser Forschungen in Unternehmen eingesetzt, um die Mitarbeiter besser auf Veränderungen vorzubereiten, mit denen sie im Rahmen ihrer Arbeit konfrontiert sind.

Warum sollte man Veränderungen im Unternehmen begleiten?
Veränderungen sind Vorgänge, die bei jeder Person verschiedene Emotionen auslösen können: Angst, Stress, Traurigkeit, Freude, Aggressivität usw. Wenn ein Mitarbeiter in seiner Arbeitswelt alleine mit einer Veränderung umgehen muss, kann er von diesen verschiedenen Gefühlen überwältigt werden. Handelt es sich dabei um negative Gefühle, ist das möglicherweise nicht nur ein Hemmschuh für den Betroffenen selbst, sondern für das ganze Team.
Dabei können verschiedene Faktoren – Persönlichkeit des Mitarbeiters, privater Hintergrund, Berufslaufbahn, Erfahrungen in der Vergangenheit, Einstellung – die Art beeinflussen, wie er der Veränderung gegenüber steht. Um also Veränderungen erfolgreich einzuleiten, ist es ausschlaggebend, dass der Mitarbeiter begleitet wird. Durch gute Rahmenbedingungen kann der Manager einem Mitarbeiter helfen, Change-Management zu akzeptieren und die verschiedenen Phasen so gut wie möglich zu bewältigen.
Damit ein Manager seine Mitarbeiter bestmöglich begleiten kann, muss er in der Lage sein, Veränderungen in deren Verhalten zu erkennen und zu analysieren, um auf diese Weise zu bestimmen, in welcher Phase des Prozesses sie sich befinden.
Was ist die Trauerkurve?
Die Trauerkurve, auch Veränderungskurve genannt, geht auf die Forschungsarbeit der Schweizer Psychologin und Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross zurück, die 1999 als eine der 100 wichtigsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts eingestuft wurde. Jeder Mensch durchläuft bei gravierenden Veränderungen eine Reihe von emotionellen Phasen, die seinen Alltag und sein Leben aus dem Gleichgewicht bringen.
Der von Elisabeth Kübler-Ross beschriebene Prozess verläuft wie eine Kurve, die verschiedene Stadien umfasst, welche eine Person angesichts eines unvorhergesehenen Ereignisses durchläuft. Diese Phasen können in zwei Hauptzyklen eingeteilt werden. Im ersten Zyklus, symbolisiert durch eine absteigende Kurve, nimmt die Person eine negative und häufig kontraproduktive Haltung ein, die vom Blick in die Vergangenheit und von Ablehnung geprägt ist. In dieser Phase spricht man im Allgemeinen von einem „Widerstand gegen die Veränderung“.
Im zweiten Zyklus, symbolisiert durch eine ansteigende Kurve, blickt der Mitarbeiter wieder positiv in die Zukunft und nimmt eine produktive Haltung an. Es sei im Übrigen angemerkt, dass die Veränderungskurve nicht geradlinig verläuft.

Welches sind die 5 Phasen der Trauer?
Der Prozess des Trauerns lässt sich in 5 Hauptphasen einteilen: Leugnen, Wut, Depression, Akzeptanz und Gelassenheit.
Leugnen
Die Ankündigung eines einschneidenden Ereignisses verändert die Abläufe im Unternehmen und gleichzeitig des einzelnen Mitarbeiters. Ist Letzterer schlecht darauf vorbereitet, reagiert er zunächst überrascht und will der Realität nicht ins Auge sehen. Man spricht von der Phase des Schocks und des Leugnens.
Wut
Nach dieser Zeit des Leugnens beginnt die Person damit, die Realität zu akzeptieren. An diesem Punkt spürt sie vielleicht Angst. Aus der Angst vor dem Unbekannten, vor Veränderung kann wiederum ein Gefühl von Frustration und Wut entstehen. Das sind Vorzeichen für einen Widerstand gegenüber der Veränderung.
Depression
Auf die Wut folgen „Tränen“. In diesem Stadium wird der Person klar, dass die Veränderung tatsächlich real ist. Was folgt, ist eine große Sehnsucht nach dem Vergangenen und vor allem eine große Sorge bei dem Gedanken an die Zukunft.
Akzeptanz
Ab diesem Zeitpunkt hört der Mitarbeiter damit auf, in die Vergangenheit zu blicken und gegen die Veränderung anzukämpfen. Die Widerstände verschwinden und er beginnt, den Blick in die Zukunft zu richten.
Gelassenheit
Ist ein Mitarbeiter in dieser Phase angelangt, bedeutet es, dass er die Veränderung verstanden und verinnerlicht hat. Es ist ihm gelungen, sich anzupassen und seine Arbeitsweise zu verändern.
Kritik an diesem Modell
Die Kritik an dem von Kübler-Ross entwickelten Modell beruht im Wesentlichen auf mangelnden Beweisen und fehlenden empirischen Untersuchungen. Zudem wirft man der Einteilung in die 5 Phasen vor, dass sie auf einer bestimmten Kultur und einer bestimmten Epoche beruht. Aus diesem Grund sei es sehr schwierig, das Modell sinnvoll auf Menschen mit einer anderen Kultur zu übertragen.
Diese Argumente wurden von mehreren Fachleuten vorgebracht, unter anderem von Robert J. Kastenbaum (1932-2013), einem anerkannten Gerontologen, der vor allem folgende Kritikpunkte formulierte:
- Es gibt keine Beweise dafür, dass trauernde Menschen tatsächlich die Stufen 1 bis 5 durchlaufen.
- Die Existenz dieser Phasen ist empirisch nicht nachgewiesen.
- Zwänge, Ressourcen und Charakteristiken der unmittelbaren Umgebung, die einen großen Unterschied ausmachen können, werden nicht berücksichtigt.
Eine 2003 von Maciejewski und Kollegen an der Yale University durchgeführte Studie kommt zu gemischten Ergebnissen: Einige stimmen mit dem 5-Phasen-Modell überein, andere nicht.
Die fehlende objektive klinische Beobachtung und die mangelnde Unterstützung von Wissenschaftlern lassen den Schluss zu, dass das Modell von Kübler-Ross ganz einfach ein Trugschluss oder ein Mythos ist.



