Berufliche Weiterbildung wirkt sich nicht nur positiv auf die Mitarbeiter sondern auch auf das Unternehmen aus: Während die Mitarbeiter sich mehr für ihre Arbeit engagieren, fällt es dem Unternehmen leichter, seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Grundsätzlich gilt, dass jedes Individuum auf verschiedene Arten lernen kann. Um Lernende so gut wie möglich bei der Aneignung von Wissen zu unterstützen und erfolgreiche Schulungen durchzuführen, sollten Lehrkräfte die individuellen Präferenzen der Lernenden – man spricht auch von Lernstilen – berücksichtigen. Erfahren Sie mehr über die verschiedenen Lernstile, die es gibt, um Schulungen möglichst individuell zu gestalten.
1. VARK-Modell (Fleming)
Das VARK-Modell basiert auf dem VAK-Ansatz und ergänzt diesen durch eine vierte Dimension. Entwickelt wurde das VARK-Modell 1978 durch Neil Fleming, der Lernende in vier Haupttypen einteilte.
- Visuelle Lerntypen: Personen, die am besten mit visuellen Hilfsmitteln (Tabellen, Charts, Diagramme, Bilder) lernen.
- Auditive Lerntypen: Individuen, die durch Zuhören und Sprechen lernen (Vorträge, Diskussionen, lautes Lesen).
- Lese-/Schreib-Lerntypen: Menschen, die dadurch lernen, dass sie schriftliche Unterlagen oder Artikel lesen und sich Notizen machen.
- Kinästhetische Lerntypen: Dieser Personenkreis lernt am besten durch körperliche Aktivitäten und Erfahrungen sowie durch Rollenspiele.
Ausbilder, die ihre Ausbildungsmethode an diese Präferenzen anpassen, fördern motivierende und effiziente Lernerfahrungen.

2. Kolbs Lernzyklus
Laut David Kolb liegt der Schlüssel zu nachhaltigem Lernen darin, einen ganzheitlichen Lernprozess zu durchlaufen, der aus vier Phasen besteht:
- konkrete Erfahrung eines Gedankens/einer Aktivität,
- reflektierende Beobachtung,
- abstrakte und theoretische Konzeptualisierung,
- aktive Umsetzung der Idee/Aktivität.
Je nachdem, welche Phase ein Individuum bevorzugt, beschreibt Kolb vier Lernstile:
- Divergierer: Sie lieben konkrete Erfahrungen und reflektierte Beobachtungen, interessieren sich für andere Menschen und lassen sich emotional motivieren.
- Assimilierer: Sie bevorzugen reflektiertes Beobachten und abstrakte Konzepte. Ihre Stärken liegen in der Erstellung theoretischer Modelle, weniger in der praktischen Umsetzung.
- Konvergierer: Anhänger dieses Lernstils bevorzugen abstrakte Konzepte und aktives Experimentieren. Ihnen liegt vor allem die Lösung praktischer Probleme.
- Akkomodierer: Sie lieben aktives Experimentieren sowie konkrete Erfahrungen und lernen eher durch Versuch und Irrtum.
Weiterbildungen sind umso erfolgreicher, je mehr sie auf dem Verständnis für diese Vorlieben basieren.

3. Lernstile nach Honey und Mumford
Auch der Ansatz von Peter Honey und Alan Mumford basiert auf vier Lernstilen.
- Aktivisten: Sie stürzen sich enthusiastisch in neue Erfahrungen und neue Herausforderungen.
- Nachdenker: Sie beobachten zunächst und sammeln Informationen, bevor sie handeln.
- Theoretiker: Als perfekte Analytiker lieben sie es, Ideen und Konzepte zu erstellen.
- Pragmatiker: Anhänger dieses Lernstils konzentrieren sich auf die praktische Anwendung und die Lösung realer Probleme.
Werden Weiterbildungsaktivitäten an diese Stile angepasst, entsteht eine ausgewogene Lernumgebung, in die sich alle einbezogen fühlen.

Jemand, der einen aktiven Lernstil liebt, stürzt sich mit Leib und Seele in neue Erfahrungen. Meist handelt es sich um Personen, die sehr aufgeschlossen sind, nicht zu Skepsis neigen und sich gerne Herausforderungen stellen, die oft in neuen Projekten münden. Nachdenker betrachten laut Honey und Mumford die Dinge distanziert und erstellen dann auf der Basis der verschiedenen Gesichtspunkte eine eigene Analyse. Bevor sie zu einer Schlussfolgerung kommen, sammeln sie Informationen aus erster Hand und konsultieren verschiedene Quellen.
Lernende mit einem nachdenklichen Lernstil halten sich bei Diskussionen und Zusammenkünften eher im Hintergrund und beobachten die aktiveren Menschen. Personen mit einem theoretischen Lernstil neigen zu Perfektion, lieben es, zu analysieren und Konzepte zu erstellen. Lernende mit einem pragmatischen Lernstil sind ständig auf der Suche nach neuen Ideen, theoretischen Ansätzen und Techniken, die sie in die Praxis umsetzen können. Sie lieben es, Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen.
4. Felder-Silverman-Modell
Das Felder-Silverman-Modell wird oft herangezogen, um wirkungsvolle Ansätze für adaptives Lernen zu entwickeln. Es beschreibt vier verschiedene Dimensionen, wie Lernende Informationen aufnehmen und verarbeiten:
- aktiv/reflektierend
- sensorisch/intuitiv
- visuell/verbal
- sequenziell/global
Diese Dimensionen illustrieren demzufolge die jeweiligen Lernpräferenzen, also die Lernstile, mit denen Individuen sich neue Dinge aneignen. Laut dem Modell von Felder und Silverman schwanken Lernende oft zwischen einer Phase des aktiven und einer Phase des reflektierenden Lernens. Der Lernende mit einem aktiven Lernstil zieht Aktivitäten in der Gruppe vor, da ihm dies hilft, Informationen zu verarbeiten. Der reflektierende Lernende fühlt sich dagegen von Aktivitäten oder Projekten gemeinsam mit anderen überfordert. Er kann Informationen am besten verarbeiten, wenn er allein arbeitet.
Personen mit einer Vorliebe für den sensorischen Lernstil stützen sich auf konkrete Informationen und setzen Methoden um, die sich bereits bei der Problemlösung bewährt haben. Intuitive Lerner suchen dagegen eher neue Informationen, die sie schnell verarbeiten.
5. Gardners Modell der multiplen Intelligenzen
Viele Lehrkräfte und akademische Einrichtungen orientieren sich am Konzept der multiplen Intelligenz von Howard Gardner. Der Professor für Psychologie an der Universität von Harvard lehnt ein einseitiges Verständnis von Bildung und Tests ab und geht stattdessen davon aus, dass alle Menschen ein bestimmtes Spektrum an Begabungen und Intelligenzen besitzen:
- sprachliche Intelligenz
- logisch-mathematische Intelligenz
- räumliche Intelligenz
- musikalische Intelligenz
- körperlich-kinästhetische Intelligenz
- interpersonale Intelligenz
- intrapersonale Intelligenz
- naturalistische Intelligenz
Gardener ist der Ansicht, dass die verschiedenen Intelligenzarten bei jedem Individuum in unterschiedlichen Ausprägungen vorhanden sind. Damit eine effiziente Lernumgebung entstehen kann, müssen die verschiedenen Lernstile berücksichtigt werden.
6. Modell von Gregorc
Hatten Sie schon einmal das Gefühl, dass Wissen manchmal auf eine Art vermittelt wird, die nicht Ihrem eigenen Lernstil entspricht? Dann sind Sie möglicherweise ein Anhänger der Theorie von Gregorc. Dieser entwickelte ein neues Verständnis davon, wie Informationen aufgenommen und verarbeitet werden. Laut Anthony Gregorc gibt es vier verschiedene Lernstile:
- konkret-sequenziell
- abstrakt-sequenziell
- konkret-zufällig
- abstrakt-zufällig
Jeder dieser Lernstile verkörpert bestimmte Vorlieben, wie Probleme wahrgenommen, bewertet und gelöst werden. Der Ansatz von Gregorc ist im Bildungswesen gut bekannt, kann sich aber auch in den Bereichen berufliches Coaching und Kompetenzbewertung als sinnvoll erweisen. Das pädagogische Instrument ist geeignet, Lernprozesse zu verbessern, Interaktionen innerhalb einer Gruppe zu optimieren und bei der Berufswahl zu unterstützen.
Darüber hinaus wird das Modell von Gregorc als Persönlichkeitstest genutzt. Mit diesem Ansatz ist es möglich, ein besseres Verständnis für die eigene Art zu lernen sowie für seine Verhaltens- und Denkweisen zu entwickeln. Er kann bei Entscheidungsfindungen helfen und die Gruppendynamik verbessern. Das Modell von Gregorc ist demzufolge über den Bildungsbereich hinaus ein wertvolles Tool.
7. Lernstil-Modell von Dunn & Dunn
Es gibt Lernende, die lieber allein lernen, andere ziehen das Lernen gemeinsam mit anderen vor. Von dieser Tatsache ausgehend gibt es verschiedene Lernstile, die sich aus fünf Faktoren zusammensetzen:
- umweltbezogen,
- emotional,
- soziologisch,
- physiologisch,
- psychologisch.
Es ist eine der besten Theorien, auf die sich Lehrkräfte und Ausbilder stützen können, um die Präferenzen der Lernenden zu berücksichtigen. Besonders effiziente Schulungsprogramme entstehen, wenn das Lernstil-Modell von Dunn & Dunn mit anderen Lernstilen (zum Beispiel mit Gardners Modell der multiplen Intelligenz) kombiniert wird. Elemente wie Ruhe oder die Beleuchtung sind wichtig, um ein optimales Lernumfeld zu schaffen.
8. VAK-Lernstilmodell (visuell, auditiv, kinästhetisch)
Die VAK-Methode teilt die Lernstile in drei Kategorien ein: visuell, auditiv und kinästhetisch. Auf diese Weise wird berücksichtigt, wie sich ein Lernender Informationen am besten merken kann. Der Ansatz geht davon aus, dass die Art, wie ein Mensch effizient lernt, von seinen sensorischen Präferenzen abhängt. Das VAK-Lernstilmodell wird oft in Bildung und beruflicher Weiterbildung eingesetzt, um den Lernprozess zu verbessern. Bei jedem Individuum dominiert ein bestimmter sensorischer Stil (visuell, auditiv oder kinästhetisch), der die Art des Lernens und des Behaltens von Informationen beeinflusst.Es gibt allerdings wissenschaftliche Studien, die in Zweifel ziehen, ob die sensorischen Vorlieben dieses Ansatzes wirklich als Basis für die Wissensvermittlung geeignet sind. Die VAK-Methode ist jedoch nicht das einzige Konzept, das einen Zusammenhang zwischen sensorischen Profilen und der Aneignung von Wissen herstellt. Andere Ansätze, zum Beispiel das Modell der 8 Lernprofile, sind ebenfalls interessante Alternativen. Generell sollten sich Ausbildung und Unterricht an inklusiven Bildungsstrategien orientieren, bei denen die Bedürfnisse der Lernenden (Kinder, Schüler, Studenten, Erwachsene im Rahmen von Umschulungen oder Weiterbildungen usw.) berücksichtigt werden.



